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Bio

Biography

1990-2001 Hip Hop – „Du musst nur üben, Kleiner!“

Opa Jott, *1979, wurde klassisch Hip-Hop-sozialisiert. Nachdem er, fast noch ein Kind, den Film Beatstreet im dritten Programm eines Röhrenfernsehers gesehen hatte, begann er den dort gezeigten Breakdancern, Graffiti-Malern, DJs und Rappern nachzueifern – „Du musst nur üben, Kleiner“ (Ramo in Beatstreet).

In den Sommern Skateboard fahren, in den Wintern in der Eishalle zu Heavy D & the Boyz die akrobatische‚Raupe‘ tanzen und zu Salt’n’Pepper Knutscherfahrungen sammeln. Mit Freunden an der Bahnlinie entlanglaufen, alle bewaffnet mit Zeichenblock, um die neuesten Spraystyles der Kings of Line zu studieren.

Bis man dann selbst die ersten Spraycans im Baumarkt mitgehen lässt. Aus den Aufsätzen der Deosprays eigene Fatcaps bastelt, weil es sowas einfach noch nicht in Deutschland zu kaufen gibt. Auf Hip-Hop-Jams schwarz-weiß kopierte Szenemagazine ersteht, Internet gab es damals noch nicht. Die im Rucksack hin- und hergeschüttelt werden, während man mit der Crew zu Too Strong oder Advanced Chemistry in der (überschaubar großen) Menge bouncet.

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Der Stolz, als „Censor, Fresh Funk“ auf dem 50 MCs-Tape von Torch einen Part zu kicken – auf Deutsch. Die erste offizelle Veröffentlichung. 1998. Freestylen auf Partys. Wenns sein muss, durch die Headphones des DJs.

Mit der Gang eigene Jams veranstalten. Breakdance-Kurs bei Unique Wizzards. RIP FREEZE. Bei den Battles auf den Hauptschulpartys wir, die Fresh Funk B-Boys, dennoch chancenlos gegen die Migrantenkids. Sie machten Kartoffelsalat aus uns. Nachts an die Züge ranschleichen und die Cans klackern im Rucksack. Gebustet von den Bullen und zwei Wochenenden auf Staatskosten.

Die Freestyle-Sessions in Cheech&Chong-Atmosphäre. Die Aufnahmen mit dem Kassettenrekorder. Das Abhängen am Marktplatz. Rapper in einer Crossover-Band sein. Rapper in der Funk-Combo Confused Sunday sein.

Auftritte als Pow!Boys in den umliegenden Storchennestern, aber auch im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) und den Kellern der Kunstakademie Düsseldorf. Censor. Pow!Boys. Würstchen klauen auf dem Splash Festival #3. Germanistik studieren, um eines Tages Rapstar zu werden. Und zwischendrin immer wieder selbstgebrannte CDs. So lief das.

Offiziell dann wieder 2007 auf Heidelberg Cypher.

2002-2016 Sidos Block, Moneys Segway, Experimente mit Medis

Die Liebe zu Rap, visueller Ästhetik und bizarren bodymoves wie der ‚Raupe‘ (s.o.) haben Opa Jott seither nicht mehr losgelassen. Er war dabei, als sich die Rucksack-tragende HipHopper-Szene plötzlich mit diesen Berliner Aggrorappern auseinandersetzen musste, die Torch doch tatsächlich als schwul (!) bezeichneten und damit ihren Claim absteckten. Die keinen Fick auf auf die politisch korrekte Attitüde von Freundeskreis gaben. Feuer über Deutschland, Haftbefehl, Frankfurt, Celo&Abdi.

Er war dabei, als plötzlich ein Wiener auf dem Segway um die Ecke gerollt kam, unter dem Namen Money Boy einfach mal den Swag aufdreht und zeigt: Du musst nur machen, Kleiner. Yung Lean sippt derweil Eistee und Sizzurp. Cloud Rap. Trap. Soundcloud-Rapper ahoi. Bergmoney. Zentralrat der Swagger. Kids these days. An Money Boy und MC SMOOK gefällt ihm ihr Just do-it-Gedanke. Er wird Teil der Internetgang Vino Moneten Pandilla, VMP.

Um seinen Lifestyle zu finanzieren, fährt Opa Jott 2016 mal wieder in die Testklinik. Nimmt für Cash an einer Medikamentenstudie teil. Drei Wochen stationärer Aufenthalt, jeden Tag eine gewisse Substanz verabreicht bekommen. Tests werden an ihm durchgeführt. Aber eigentlich liegt er die meiste Zeit mit offenen Augen und Kopfhörern im Klinikbett. Ihm wird klar, dass das HipHop-Konzept, in dem er seit zwanzig Jahren steckt, zu eng geworden war. Er will es experimenteller, freier in jede Richtung.

Er, der sich bis dahin MC Censor genannt hatte, überlegt aufgepulvert vom Testmedikament einen Namen für sein neues Künstler-Ich. Seine Vorbilder in der Trap-Szene brüsten sich mit ihrer Jugendlichkeit: ‚Lil, ‚Yung‘, ‚Boy‘, ‚Small‘, ‚Kid‘ sind die Prädikate mit denen sie sich schmücken. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters kann Censor sich nicht in diese Richtung umbenennen. ‚Yung Jay‘, ‚Lil Fünfhunderter‘ oder ‚Small Raupe‘, wie klingt denn das?

Ein Name mit Zukunft muss her! Und so zäumt er das Pferd von hinten auf: Statt sich mit einem juvenilen Präfix zu schmücken, nimmt er die Initiale seines bürgerlichen Vornamens und setzte ein ‚Opa‘ davor! OPA JOTT WAR GEBOREN. Nur echt mit seinem langen weißen Bart. Der Bart kommt zwar später wieder ab, doch mit jedem Tag, der vergeht, wird Opa Jott mehr zu diesem OPA JOTT.

2016 -2019 Opa Jott – ON FLEEK im MONDLIXHT

Opas Produktivität kennt seit 2016 keine Grenzen. Rasch, aber dennoch mit Treffsicherheit schmiedet Opa Jott sein Debütalbum ON FLEEK. Für das Recording muss nun nicht mehr der alte Ghettoblaster herhalten. Nein, zum Aufnehmen geht es in ein richtiges Studio. Qualität ist gefragt. Andreas Köhler von Comtune, Karlsruhe, und Opas langjähriger Mentor in Sachen Musikproduzieren setzt sich mit ihm drei Monate lang hinter die Tasten, Knöpfe und Regler.

Gemeinsam mit einer Vielzahl eingeladener Gästen schaffen Opa und Andreas Köhler das Debütalbum ON FLEEK – ein einzigartiges Meisterwerk. Die Release-Party im umgebauten Schlachthof Karlsruhe ist rauschend. Das Publikum ist engagiert und Opa Jott rockt mit langem weißem Bart und silbernem Jackett. Die Presse berichtet. http://kavantgar.de/junger-kuenstler-alte-seele-opa-jott-feiert-album-release/

Der kuschelige Kunstbart kommt bei seinem flugs aufgenommenen Mixtape EisAntikk noch einmal zum Einsatz. Doch mit Opa Jotts zweitem Album, MONDLIXHT, ist es Zeit, von derlei Maskerade frei zu werden. Halbnackt und fast ein bisschen zu verletzlich präsentiert sich Opa Jott auf dem purpurnen Cover von MONDLIXHT. Es folgt eine kleine Tournee, die auch aufgrund der vielen feature-Gäste beim Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Zurückblickend kann man sagen: Aus der Hip- Hop-‚Raupe‘ von früher ist ein Nachtschwärmer geworden.

2020 – XXXX Mit Opa Jotts Mediennostalgie durch die CREEP NIGHT

Für sein aktuelles Album CREEP NIGHT (2020) ließ sich Opa Jott von seiner Leidenschaft für Gespenster-Geschichten-Comics und Horror-Filmen der 70er und 80er inspirieren. Die Comichefte hatte er schon lange als Abo alle zwei Wochen ins Haus geliefert bekommen. Doch die Liebe zu alten, vorwiegend italienischen Horrorfilmen stammt aus seiner Zeit als Verkäufer in einer ‚Erwachsenen-Videothek‘ in Bahnhofsnähe.

Der Chef dieser ‚Herren-Boutique mit Videokabinen‘ brachte eines Tages neben dem üblichen Schmuddelkram einen ganzen Schwung Horrorfilme mit. Es waren aber keine aktuellen Filme, sondern alte verranzte VHS-Kassetten mit übelsten Trash-Machwerken drauf! Explizite Darstellungen der Taten psychopathischer Mörder*innen, Zombies und anderer Unwesen. Oft mündete die Handlung am Ende in einen unerwarteten Plot-twist. Dadurch bekamen sie einen ganz besonderen Reiz des Verbotenen und Subversiven.

Nächtelang saß der junge Opa in der Videothek, zog sich all diese Filme rein. Verliebte er sich in deren überraschend stilvolle Ästhetik. Sampelte ihre mal schwelgerischen, mal experimentellen Soundtracks. Riz Ortolani, Piero Umiliani und der große Enio Morricone komponierten die Melodien, irgendwo zwischen zuckersüß und fremd-bizarr. Das grundlegende Motto schien zu sein: je grausamer der Film, umso schöner die Klangspur.

Der Titeltrack von Opas neuem Album CREEP NIGHT erzählt denn auch von einem Typen, der nichts anderes mehr macht, als tagsüber zu pennen, sich dafür aber nachts einen Horrorstreifen nach dem anderen reinzuziehen –man könnte Opa Jotts Alter Ego darin entdecken.

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Opa Jott

Genre: Rap / German Slow Hop
Ort: Heidelberg
Bühnenerfahrung: 25 Jahre

Contacts

Kontakt: info@opajott.de
Merch/Support: https://opajott.bandcamp.com/

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